Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom ist ein hochgradiger Tumor, der von den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen (insbesondere den Astrozyten), ausgeht. In der WHO-Klassifikation 2021 der Tumoren des zentralen Nervensystems wird es als astrozytärer Tumor Grad 4 (IDH-wildtyp) definiert. Mikroskopisch ist es durch eine ausgeprägte Zellproliferation, eine Gefäßvermehrung (mikrovaskuläre Proliferation) und Nekrosezonen gekennzeichnet. Da es das umliegende Gehirn mit fingerförmigen Ausläufern infiltriert, hat es sich auch dann mikroskopisch ausgebreitet, wenn seine Grenze in der Bildgebung klar erscheint; diese Eigenschaft erklärt, warum sich die Behandlung nicht auf die Operation beschränken kann.
Symptome und Diagnose
Die Symptome hängen von Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab und schreiten meist über Wochen fort. Häufig sind fortschreitend zunehmende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen durch erhöhten Hirndruck, Krampfanfälle, Sprach- oder Bewegungsstörungen sowie Persönlichkeits- und kognitive Veränderungen. Die kontrastverstärkte Hirn-MRT ist die Erstuntersuchung; sie zeigt typischerweise eine ringförmig anreichernde Masse mit zentraler Nekrose, umgeben von ausgedehntem Ödem. Die endgültige Diagnose wird durch die pathologische und molekulare Analyse (IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) des bei Operation oder Biopsie gewonnenen Gewebes gestellt; diese molekularen Marker beeinflussen Behandlung und Verlauf.
Eine Operation allein genügt nicht
Der Standardansatz beim Glioblastom ist die breitestmögliche sichere chirurgische Resektion, gefolgt von gleichzeitiger Strahlentherapie und Temozolomid-Chemotherapie (Stupp-Protokoll). Ziel der Operation ist es, die Tumorlast so weit wie möglich zu verringern und eine Gewebediagnose zu liefern; da der Tumor jedoch mikroskopisch infiltriert, bietet die Operation keine „Heilung“, und die nachfolgenden Behandlungen sind unerlässlich. Um die Resektion unter Erhalt der Funktion durchzuführen, werden Neuronavigation, funktionelle Kartierung, bei Bedarf eine Wachkraniotomie und fluoreszenzgestützte (5-ALA) Techniken eingesetzt. Die gesamte Entscheidung trifft ein multidisziplinäres Team, in dem Neurochirurgie, Strahlenonkologie und medizinische Onkologie zusammenarbeiten.
Der Operationsablauf
Bei der Vorbereitung werden eine ausführliche neurologische Untersuchung, eine Kontrast-MRT und bei Bedarf eine funktionelle MRT und eine DTI-Traktographie, eine multidisziplinäre Besprechung und eine anästhesiologische Beurteilung durchgeführt. Bei der Operation wird der Patient entsprechend der Tumorlage gelagert; Tumoren in der Nähe eines funktionellen Areals werden bei Bedarf im Wachzustand operiert. Eine schmale Rasur innerhalb des Haaransatzes genügt, der Knochendeckel wird entfernt, die Dura geöffnet und der Tumor unter dem Mikroskop mit Navigationsführung entfernt. Danach folgen in der Regel 24–48 Stunden Intensivpflege und einige Tage Krankenhausaufenthalt; das Ausmaß der Resektion wird mit einer Kontroll-MRT beurteilt, und die Strahlen-Chemotherapie-Phase beginnt meist innerhalb weniger Wochen.
Ehrliches Erwartungsmanagement
Das Glioblastom ist ein aggressiver Tumor und seine Prognose bleibt trotz aktueller Behandlung begrenzt; dies ehrlich zu sagen, ist unsere Verantwortung als Ärzte. Molekulare Merkmale wie die MGMT-Promotor-Methylierung können das Ansprechen auf die Behandlung und den Verlauf beeinflussen. Die Behandlung zielt oft darauf ab, die Erkrankung zu kontrollieren, Symptome zu lindern und die Lebensqualität so weit wie möglich zu erhalten. Die Risiken der Operation (Blutung, Infektion, vorübergehendes oder bleibendes neurologisches Defizit, Ödem, Anfälle) werden offen besprochen. Wir versprechen kein garantiertes Ergebnis; der Verlauf jedes Patienten ist anders, und die Erwartungen werden vor der Operation klar besprochen.